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low-budget magazin
25.04.2005

clickclickdecker : Kein Arschloch

“Ich bin gar kein Arschloch”, sagt Kevin. Das sagt er schon zum zweiten Mal und es klingt fast so, als ob er es sich selbst einreden müsste. Wieso diese Zweifel? Eigentlich egal, denn was zählt, ist das Bild, das man sich selber macht, und das ist gut.

Wenn Kevin vorne im Bus sitzt und zusammen mit Tobi von Turbostaat lauthals “Oiro” singt oder wenn er von seiner “Frau” spricht, der er unbedingt was von Yo La Tengo aufnehmen will. Oder ganz einfach seine Lieder. Eigentlich kommt Kevin aus Berlin Pankow und durfte mit acht Jahren die damalige DDR verlassen. Mit elf zeigte ihm ein Freund den Anfang von Metallicas “Enter Sandman” und es war geschehen. Im nächsten Kaufhaus wurde die E-Gitarre gekauft und sich über die Jahre selbst unterrichtet.
Dass Kevin dann erstmal zum Hardcore kam, mag man bei seinen heutigen Stücken vielleicht noch an der Rotzigkeit merken und auch an der Art zu singen. Da schimmert die Sozialisation doch immer wieder durch. Aber jeder, der mal in einer Band gespielt hat, kennt die Konflikte, die die scheiß Demokratie mit sich zieht. So auch Kevin, der sich dann Maschinen kaufte: “Die machen, was ich ihnen sage und das auch zu jeder Tageszeit: Das fand ich geil!” Damit hat alles angefangen.

Keine Angst vor… oder die ausgewählten Auswähler

Mein erster Gedanke war ja Virginia Jetzt!, deren Debüt einen ganz ähnlichen Titel trägt. Aber dem ist nicht so, obwohl dieser popkulturelle Link Kevin gar nicht mal so unsympathisch ist. “Aber eigentlich ist der Titel für alles gedacht”, schreibt mir Kevin, nachdem ich vom Albumtitel erfuhr. “Ich habe keine Angst vor der Großstadt, in die ich gezogen bin, vor der Presse, vor wenn es nicht mehr weitergeht…und und und”.
Und nicht mehr weitergehen. Das findet sich nicht nur auf der Platte in Form von Liebesliedern, die das Erlöschen vom Feuer zur Grundlage haben. Nicht mehr weitergehen ist auch immer ein Gefühl, das einen befällt, wenn man ein Album macht. Insbesondere, wenn man selbst noch mehr gibt, als nur Lieder. Doch was heißt hier nur Lieder? Die vierzehn Stücke auf “Ich habe keine Angst vor” sind die besten Stücke aus zwei Jahren. Allesamt aufgenommen auf 8 Spur. Und ausgewählt von Kevin und einem kleinen Kreis der Ausgewählten. Zu dem gehört auch Ulf, der manchmal Schlagzeug bei ihm spielt. Die Auswahl fürs Album hat allerdings Kevins Freundin mit beeinflusst. “Von ihr kam die Idee mit ‘In Altona trank ich mal…’. Den wollte ich eigentlich gar nicht mit drauf nehmen, nun ist er einer der Hits. So kann das gehen.”

Wenn er diesem Kreis seine Lieder präsentiert, sind diese meist schon fertig. Reinreden ist da nicht und auch das macht es immer wieder schwer. Denn Reinreden will jeder bei einer Platte. Das Label, der Vertrieb, der Mischer. Das ist nicht immer leicht. Aber das Gute wird mit den Guten siegen und seit Februar gibt es “Keine Angst vor…” im Laden und des großen Erfolges wegen nun auch via Records & Me auf Vinyl. Im Gatefold. Mit Liebe gemacht, wie so vieles…
Schließlich geht es um Leidenschaft. Sei man nun bei einem Label oder selbst Musiker. “Natürlich ist das ein Hauptthema”, sagt Kevin, “Ich schreibe nicht über Politik oder so…was bleibt mir dann übrig außer Leidenschaft?”

Gutes Handwerk

Wieso clickclickdecker? Eine Frage, die Kevin sicherlich oft hört. So ist die Frage nach dem Namen ja nicht mal nur bei Newcomern sehr beliebt. Früher nannte er sich ja auch noch anders. Zwei Tapes und eine CD veröffentlichte er im Eigenvertrieb unter dem Namen Tom Bola. Und zählt man alle veröffentlichten Songs seit 1999 zusammen, kommt man auf die enorme Zahl von rund 140 Stücken und da ist die mittlerweile aufgelöste Band A No No nicht mal mitgezählt.
Vielleicht liegt das aber auch an der enorm unkomplizierten Art wie Kevin seine Stücke aufnimmt. Alleine in seinem Zimmer. Mit einem 8 Spurgerät. Aus dem Kopf, aus dem Mund, in die Hand, durch das Instrument auf die Spur. Das passt zu Kevins Devise: “Bei mir muss immer alles schnell gehen, ich stehe ziemlich auf First Take. Aus dem Bauch, weißt du…lange an einem Song rumbasteln oder so, liegt mir nicht, weiß nich wieso.”
Und der Name? Der setzt sich aus dem Wedding Present Stück “Click Click” (Zu finden auf “Watusi” 1994) und dem Wort Decker zusammen. Das war irgendwie nett. Und wie ein Interviewer mal bemerkte: “clickclickdecker, das klänge wie Black & Decker, wie gutes Handwerk also.” Find ich gut, kann man so stehen lassen.

(Der Text entstand in einer Koproduktion von magma und Nillson. Danke!)

Links:
clickclickdecker
Meerwert Platten

text: daniel decker

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