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low-budget magazin
09.11.2005

Legende - Die Geschichte eines Helden

Der schüchterne Student Richard wird von zwei Comic-Fans zu einem Experiment überredet: Ein Monat Vorbereitung – dann soll Richard als realer Superheld für Recht und Ordnung sorgen. Wird das Experiment klappen? Und wird Richard auch das Mädchen seiner Träume von seinen Qualitäten überzeugen können? Die Antwort gibt “Legende – Die Geschichte eines Helden” der Grazer Filmgruppe Loom – übrigens der zweite Film der vom deutschen Label Unlimited Dreams herausgebracht wird.

Richard (Stefan Müller) ist Student der technischen Physik. Um sein Studium zu finanzieren, trägt er Pakete aus. Außerdem ist er ein wahrer Loser im Angesicht des Herrn, ein Schüchti, ein Verklemmter und ein Träumer. Und genau auf so jemanden haben die Brüder Theo und Walter (Bernhard und Wolfgang Lukas) gewartet. Die beiden Comic-Freaks wollen ein Experiment starten: Sie wollen aus Richard innerhalb eines Monats einen realen Superhelden machen – und dann mit ihm die Stadt von dem ganzen Gesindel befreien. Anfangs ist Richard nicht so recht überzeugt. Doch dann kommen die wahren Verlockungen des Superhelden-Lebens: Jede Menge Frauen und lukrative Werbeverträge. Wer kann da schon ablehnen? Vor allem, da Richard unglücklich in Luisa (Elisabeth Zissler) – eine Bekannte aus der Videothek – verliebt ist. Die hat erst vor kurzem mit dem schönen Paul (Leopold Keber) Schluss gemacht, was dieser nicht all zu gut verkraftet haben dürfte…

Doch bis Richard ein Superheld werden kann, muss er noch durch eine sehr harte Schule: Rollenstudium der diversen Comichelden-Charaktere, ein Taek Won Do-Kurs im Schnellsiedeverfahren und diverse Kostümproben. Ausgerüstet mit einem coolen Outfit (und blonder Perücke), einer nun mehr tiefen, männlich-herben Stimme, einer Restlicht verstärkenden Nachtsichtsonnenbrille (sic!) und einer schallgedämpften Betäubungspistole geht es ran ans Werk. Und der erste Übeltäter lässt nicht lange auf sich warten. Eine holde Maid wird im winterlichen Park überfallen. Noch etwas unbeholfen, aber unterstützt via Headset von Theo und Walter, schlägt der “Schwarze Ritter” das erste Mal zu. Die Mission wird ein voller Erfolg! Theo, Walter – und nun auch Richard – sehen für die Stadt rosige Zeiten heranbrechen.

Je mehr Fälle er löst, desto selbstsicherer wird Richard in seiner Heldenrolle. Und eines Tages kommt seine ganz persönliche Stunde: Auch Luisa muss vor einem Unhold gerettet werden. Zwischen den beiden funkt es sofort – und Richard beschließt, dem Helden eine Ruhepause zu gönnen und Luisa ganz privat und inkognito zu erobern. Doch Richard und Luisa haben die Rechnung ohne Paul gemacht, der zu drastischen Mitteln greift…

Die Werdung eines Superhelden – schon viele Filme haben dieses Themas bedient: Einer meiner Favoriten dazu ist M. Night Shylamans Film “Unbreakable”, aber auch das aktuellere “Batman Begins” darf man nicht vergessen. Das Besondere an “Legende – Die Geschichte eines Helden” ist aber die Tatsache, dass es ein österreichischer Film ist. Und wer hat schon jemals von österreichischen Superhelden gehört? Der Geschichte von Stefan Müller merkt man an, dass der Regisseur ein Faible für Comics hat.

Doch obwohl der technisch überzeugende Film durchaus seine Highlights hat, irritiert er vor allem durch seine Orientierungslosigkeit. Was soll er sein? Eine Slapstick-Komödie? Ein Drama? Ein Actionfilm? Er ist weder Fisch noch Fleisch – und der Zuschauer sitzt genau zwischen den Stühlen. Das Werk hat seine lichten Momente: Man amüsiert sich köstlich, wenn der ungeschickte und naive Tollpatsch Richard seine ersten Nahkampflektionen lernen muss, oder wenn er sich in ziemlich tuntige Kostüme zwängt. Doch dann kommt die tragische Wende – und dieser Spagat ist deutlich misslungen.

Vom schauspielerischen Niveau bewegt sich das Ganze im mittleren Amateurbereich. Bernhard und Wolfgang Lukas (Theo und Walter) kommen eher hölzern rüber, während Stefan Müller (Richard) hingegen vor allem als gebrochener Held überzeugt. Elisabeth Zissler (Luisa) hat zwar keine herausragende Rolle, dafür spielt sie umso “süßer”. Die Anschlussfehler im Film fallen zwar auf, sind aber nicht so tragisch. Sehenswert wiederum sind einige technische Schnickschnacks, wie der computeranimierte Zug. Sehr viel rettet auch die stimmige Musik des Schweizer Komponisten Matthias Erb (allerdings fand ich das französische Lied für einen Superheldenfilm recht unpassend). Was ich aber so vom Trailer her gehört habe, dürfte Erb sein Meisterwerk in Looms aktuellen Film “Jenseits” abliefern.

Neben dem Hauptfilm finden sich auf dem Silberling diverse Easter Eggs (wobei das Vorwort besonders witzig ist), die Musik von Matthias Erb, Audiokommentare und natürlich die obligaten – aber nicht unbedingt notwendigen – Features “Hinter den Kulissen” bzw. “Verpatzte Szenen”. Die DVD wird übrigens von Unlimited Dreams Media herausgebracht. Wie bereits in einer der vorigen Rezensionen erwähnt, will das deutsche Label von Daniel von Euw vor allem Indie-Produktionen in Spielfilmlänge herausbringen.

Einen Blick sollte man auch auf die Site der Grazer Filmtruppe werfen (empfehlenswert: Die Helden-Parodie “Snake & Rusty”). Momentan arbeiten die Grazer gerade am Mystik-Drama “Jenseits” (http://www.jenseits.at), für den sie neben Theater-Schauspielern auch Größen aus dem österreichischen Kabarett in “ernsten” Rollen unterbringen konnte. So sind z.B. Andreas Vitásek (“Ein fast perfekter Seitensprung”, “Brüder”) und Reinhard Nowak (“Poppitz”, “Komm, süßer Tod”) zu sehen. Schon allein dem Trailer kann man entnehmen, dass es sich um eine der aufwendigsten Indie-Filmproduktionen Österreichs der letzten Jahre handelt. Man darf also gespannt sein.

Legende – Die Geschichte eines Helden
Österreich 2002-2004
Regie/Drehbuch: Stefan Müller
Mit Stefan Müller, Bernhard Lukas, Wolfgang Lukas, Elisabeth Zissler, Leopold Keber u.a.
Produktion: Verein Loom
Vertrieb: Unlimited Dreams Media
80 Minuten

DVD:
€ 12 Euro

Links:
www.loom.at
www.uldmedia.de
www.jenseits.at

Dieser Text entstand in Kooperation mit www.homemoviecorner.com

text: rodja pavlik

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